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Ich falle gerade in ein tiefes schwarzes Loch mit Namen Verzweiflung und dem Aussehen der Angst. Heute war Muttertag. Seit  dem Tag, an dem unser Leben so ruckartig ausgebremst wurde, sind wir eine andere Familie. Mutter zu sein hat eine andere Qualität.

Unsre Kinder haben mich gehalten, gestützt und ins Leben gezogen. Jetzt ist es wieder an mir die Mutter zu sein, die man auch auf dem Weg ins Erwachsen werden braucht. Gerade jetzt brauche ich dich besonders, denn es gilt Entscheidungen zu treffen und zu raten. Was würdest du sagen oder raten? Die drohende Entscheidung, die zu treffen ist, wird mich wieder hinab reißen und alles in Frage stellen. Wo bekomme ich meine Sicherheit her? Ich habe das Gefühl, dass mein Leben gerade zum zweiten Mal auseinander brechen will. Etwas loslassen zu müssen und selbst keinen Halt, keine Schulter zu haben ist so schwer. Keine Arme die mich wärmen, keine Stimme die mich tröstet. Ich habe an Gefühlen nur noch Angst und Hilflosigkeit. Ich will das hier alles nicht. Verdammt noch mal, komm wieder zurück und hilf mir. Du kannst doch nicht einfach so weg gehen! Ich bin doch der Bestimmter! Aber jetzt habe ich nichts mehr zu melden, muss mich fügen. Ich will nicht!

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Da sind wir nun angekommen, in dem Urlaub, denn wir beide zusammen machen sollten. Nun bin ich mit den Kindern da. Ich mach gerne mit den Kindern Urlaub, aber jetzt fühlt es sich einfach nur falsch an. Die Fahrt ging so. Wir sind ja früher auch schon alleine weg gefahren, aber dann gab es eine Heimkehr mit einem wunderbaren Wiedersehen. Der Kloß im Hals wuchs mit jedem Kilometer, den wir näher an unsere geliebten Berge kamen. Als wir dann einkaufen waren, brach alles heraus. Mir kam kurz der Gedanke, was ich dir denn mitbringen könnte und dann war es da, dieses Nie-wieder-Gefühl. Ich hätte dich so gerne bei mir, vermisse dich unsagbar. Ich will dass du mich an die Hand nimmst, mit Max rumblödelst, wie ihr denn auf jeden Fall zum Badesee kommt und mit Jule die Bergtouren besprichst. Nichts von alle dem wird es je wieder geben. Wie soll ich das akzeptieren?

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Manchmal denke ich, ich mute mir zu schnell zu viel zu. Alles gleich ohne dich durchsehen. Aber wenn ich es jetzt nicht mache, dann vielleicht nie mehr. Vielleicht traue ich mich dann nie wieder in den Urlaub in die Berge zu fahren, wenn ich es nicht jetzt in meinem größten Schmerz  versuche.

Vorhin habe ich ein Haus gesehen, was zum Verkauf stand. Da war kurz die Idee einfach alles hinter mir zu lassen und hier zu bleiben. Aber die Trauer kommt ja mit. Ich kann mich nirgends verstecken. Du kommst nicht wieder.

Ich kann nicht darüber nachdenken, dass du nie wieder kommst. Es fühlt sich immer noch wie eine lange Reise an, anders könnte ich das nicht durchstehen. Ich kann nicht akzeptieren, dass du tot bist, kann das nicht denken, kann das nicht schreiben. Hol mich ab, ich kann nicht mehr lange.

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