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Wenn ich an dich denke, dann ist da nicht mehr nur Schmerz. Da ist auch ganz viel warme Erinnerung, fröhliches Erinnern. Es schmeckt nach Glück und Zufriedenheit. Nach schönen Tagen. Die gelebte Zeit gewinnt wieder langsam Oberwasser gegenüber der schlimmen Zeit.

Wie es mir geht, darüber denke ich nicht nach. Weiß auch nicht, ob ich das wissen will. Viel wichtiger ist, was ich fühle und da ist im Moment so ein ganz zarter Staub von „es geht vorwärts. Ich gehe nicht auf das Leben zu, sondern das Leben findet mich und nimmt mich mit. Im Moment kann ich mich ganz gut darauf einlasse und hoffe, dass ich das lange kann. Der nächste Tiefpunkt kommt bestimmt. Aber dann bin ich vielleicht schon wieder etwas stärker geworden. Meine Traurigkeit und meine Sehnsucht bleiben bei mir, aber manchmal gehen sie schon kurz schlafen.

Der 08.03. hat sich als schlimmer Tag in mein Leben eingebrannt. Aber ich darf und ich will auch nicht mehr ständig darüber nachdenken, denn das Leben davor war schön und ich hoffe , dass es auch danach wieder eine Form von schön geben wird, wenn ich das nun so leben muss.

Ja, ich glaube ich bekomme wieder Zugang zu dem Wort „Hoffnung“. Es ist ein so schönes Wort.

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Das schlimmste sind wirklich diese kurzen „Nie-Wieder-Momente. Man kann sich nicht vorbereiten, keine Strategie entwickeln. Sie schleichen sich einfach an und erschrecken dich zu Tode. Dan sitzen sie in der Ecke und kichern sich eins, nehmen Anlauf für den nächsten Hieb. Im Moment bin ich recht stark und kann sie gut abwehren, aber was wird in meinen schwachen Momenten?

Ich lerne jeden Tag etwas über die Welt um mich herum und über mich. Eine neue wichtige Sache habe ich heute gelernt und damit weiß ich mal mehr als du „Zu leben heißt nicht, dich zu vergessen.“. Auch wenn ich die Dinge immer mehr in meinen Besitz nehme und passend für mich verändere, heißt das nicht, dass ich dich verdränge. Ich gebe dir einen anderen besonderen Platz.

Oder wusstest du das schon? Du Schlitzohr! Wenn ja, dann hättest du mich ruhig mal etwas besser auf all das hier vorbereiten können.

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Vorhin war ich an deinem Baum. Der Friedhof ist immer noch kein guter Ort für mich. Ich habe heimlich ein paar Zwiebeln Schneeglöckchen vergraben und Krokusse. Ich habe dir auch ein winziges Sträußchen Vergissmeinnicht gebracht. Man hat den Stadionlärm vom Energie-Spiel gehört. Das gefällt dir und dem Richard sicher.

Ich bin noch eine Weile auf dem Friedhof spazieren gegangen. Diese ganze geballte Traurigkeit, die dieser Ort aufsaugen muss, all die Tränen, die dort im Boden versickert sind, die Trauer und der Schmerz stürzte auf mich ein. Dann musste ich doch weinen. Aber auf dem Friedhof ist das ja wohl in Ordnung. Ich habe die Leute so selbstverständlich Blumen Pflanzen sehen, Grabbepflanzung wurde gegossen, Wege liebevoll geharkt. Ich konnte das nicht verstehen, es ist doch so traurig, aber dann erreichte mich diese Selbstverständlichkeit irgendwie. Dieses Gefühl von, Ich-tu-das-für-mein-liebstes ; ich bin ihm nah und weiß dass er sich freuen würde. Ich kann das nicht beschreiben. Vielleicht finde ich irgendwo die passenden Worte.

Danach habe ich noch eine kleine Radtour gemacht und konnte relativ in einer Art innerer Ruhe nach Hause kehren. Das Leben um mich herum, hat mich in meins hinein geschoben.

Der Sonntag war ja eher nie unser Familientag, immer war der Fussball wichtiger, oder Eishockey oder was weiß ich. Meistens war ich alleine und ja, ich genoß diese Zeit für mich. Aber es war eine andere Einsamkeit, eine mit Heimkehr am Ende. Jetzt kommst du nicht mehr heim.

Über meine Stärken und Schwächen habe ich sehr viel gelernt. Noch weiß ich nicht, ob ich all das jemals wissen wollte. Es ist so schwer in Worte zu fassen. Ich will mir mit den Worten ja nicht selbst weh tun.

Dankbar bin ich für unsere gemeinsame Zeit,. Ob ich am Ende auch für das Leben, das ich nach deinem Weggehen bekommen habe, dankbar sein kann, wird die Zeit zeigen.

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