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Jeder Tag wird erträglicher. Zumindest habe ich im Moment das Gefühl. Mit jedem Brief, den ich an irgendwelche Ämter oder Behörden schreibe werde ich sicherer in unserem neuen Leben.

Irgendjemand möchte mit mir irgendwohin fahren. Aber ich möchte lieber in unserem Zuhause und Garten bleiben und alles schön machen. Hoffentlich fühle ich mich nicht allein gelassen, wenn sich alles etwas beruhigt hat. Aber ich bin ja schon groß und alleine Sein war auch nie so das große Problem. Nur das das nun für immer sein soll.

Es gibt immer noch Momente, die mir besonders weh tun. Z.B. wenn ich in unsere Straße einbiege und ein Auto in der Nähe unseres Hoftor steht. Dann haut mich die Erkenntnis, dass du das nicht bist fast um. Erst kommt Freude, wie früher und dann die Gewissheit, dass das nicht dein Auto ist. Oder eben das Handy. Keine Nachricht, ein Anruf von dir. Das wird wohl noch eine Weile weh tun.

Oder Haare im Waschbecken, kein Wasser in der Kaffeemaschine…all die Sachen, die dich früher aufgeregt haben und du mit mir geschimpft hast, mach ich jetzt ganz schnell. Doch dann weiß ich plötzlich, dass sich da keiner mehr drüber freuen wird. Gerade das alltägliche überfällt mich und das ist auch schlimm. Die großen schönen Erinnerungen bleiben ja. Mal sehen, wie ich mit den neuen umgehen kann, bei denen du nicht mehr körperlich anwesend bist.

Trotzdem freue ich mich ohne schlechtes Gewissen auf den Urlaub mit den Kindern. Abschalten, nur nachdenken wenn man will, Kraft tanken, die Seele baumeln lassen.

Bald ist ja unser 26. Hochzeitstag und der 28. Kennenlern-Tag. Was mach ich bloß damit? Ich denke lieber nicht an später, sondern lebe im hier und jetzt.

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Ich würde dir gern erzählen, wie mein Tag war und dich dieses und jenes fragen. Mit dir konnte ich über alles reden. Du warst ja auch mein bester Freund. Ich will jetzt keinen über alles stehenden Helden machen, das warst du bestimmt nicht. Du hattest wohl auch deine Schwächen. Aber du hast immer zu mir gestanden, wenn es drauf ankam. Verstanden hast du mich nicht immer, aber du hast meine Entscheidungen mitgetragen.

Wem erzähle ich denn nun alles. Den Max kann ich doch am Wochenende nicht mit allen Informationen überfallen. Jule soll auch ihr Leben haben.

Diese alltäglichen Späße, netten Worte, das fehlt mir sehr.

Keiner fragt, keiner lobt, keiner kritisiert. Da ist so eine große Lücke. Geht die jemals wieder zu? Wenigstens ein bisschen?

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Heute habe ich wieder gemerkt, wie stark die Trauer immer noch mein Leben im Griff hat. Ich kann anderen helfen, schaffe es, dass sie sich um ihre Sorgen kümmern können und sich nicht nur auf mich konzentrieren, ich kann ihnen raten und helfen. Das macht mir Mut. Ich mag es anderen Menschen zuzuhören und sie gedanklich auf andere Pfade zu bringen. Warum gelingt mir das bei mir selber so schwer?

Ich weiß, übern Berg bin ich noch lange nicht und es braucht Zeit. Aber du weißt ja, Geduld war noch nie meine Stärke.

Vielleicht habe ich wenigstens das ganz tiefe Tal durchwandert oder muss da nicht mehr so lange drin bleiben, wenn ich mal wieder ein rutsche. Die Sonne macht, dass ich nicht mehr so doll traurig bin. Ich weiß noch nicht, was ich von dieser Situation halten soll.

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