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Heute war es soweit. Ein mittelschwerer Zusammenbruch. Ich musste mich wieder krank schreiben lassen. 2 Wochen bleibe ich nun zu Hause. Jetzt, wo der Druck, funktionieren zu müssen weg ist, geht es schon besser.

Freude wollen mit mir wegfahren. Tagesausflüge sind schon in Ordnung, aber ich für länger bin ich nicht bereit. Obwohl ich mich in dem Haus nachts früher immer ein wenig gefürchtet habe, ist es doch meine Zuflucht. Hier warst du, hier bist du. Hier kenne ich mich blind aus. Hier darf ich so sein, wie mir grad ist.

Es regnet schon den ganzen Tag und ich stelle mir vor, dass du weinst, weil du uns vermisst. Ich glaube ganz fest, dass du das tust. Irgendwann werden sich unsere Wege wieder kreuzen.

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Heute gehe ich auf den Friedhof. Es ist ein Ort der Ruhe, des Seelenfriedens. Es ist traurig auf dem Friedhof, aber man kann sich dort an seinen Schmerz erinnern, ohne das es unpassend wirkt. Zu Hause ist Ruhe eher hinderlich. Dann denkt man zuviel nach.

In unserem Haus ist viel Stille eingezogen. Kein Radio, wenig Fernseher. Aber es ist nicht schlimm. Die Geräusche das Hauses beruhigen mich eher, als sie mir Angst machen. Vielleicht hoffe ich auch, dich irgendwie zu hören. Die Still zeigt mir aber auch, dass ich dein Fehlen akzeptieren muss. Wenn draußen eine Autotür klappt oder das Hoftor quietscht, dann denke ich oft, dass du das bist. Dann denke ich, du kommst nach Hause.

Einen Wecker muss ich nicht mehr stellen. Jetzt wache ich ohne ihn auf. Es ist als ob du mich weckst und mir sagst „Komm Schatz, Zeit aufzustehen.“

Heute habe ich ein Lied gefunden, dass du dir ausgedruckt hast. Es passt so gut zu dir „Ich hab eine kleine Philiosophie……..“

Die hattest du.

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Ich frage dich immer wieder um Rat. Denke nach, was du wohl geraten hättest. Du konntest gut immer so aus dem Bauch heraus entscheiden. Und wenn du dich einmal entschieden hattest, blieb das auch so. Ich habe immer noch 10 x hin und her überlegt. Selbst als schon alles erledigt war.

Das Haus wird immer mehr meins, obwohl es doch unser bleiben wird. Es ist ein Gefühl, als ob ich noch einmal hier einziehe.

Auf dem Friedhof war es nicht wirklich angenehm. Die Ruhe, die ich gesucht habe, fand ich nicht. Ich habe eher den Tag der Beerdigung mit deinem Schmerz wieder vor Augen gehabt. Einzig, deinen Baum zu berühren war sehr schön. Schade, dass der nicht in unserem Garten steht.

Ich freue mich trotz aller Trauer auf die schönen warmen Sommerabende auf unserer Terrasse. Das, wozu wir nie Zeit hatten, werde ich dann tun. Abends auf der Hollywoodschaukel sitzen, ein Glas Wein trinken und den Sonnenuntergang genießen.

Ich weiß nicht, wie ich es bis hierher geschafft habe, aber ich bin stolz auf mich, auf uns. Auf unsere Kinder, unsere Freunde, die Familie.

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