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Ich weiß, das du mir gern helfen und meinen Schmerz lindern würdest. Aber du bist zu weit weg. Alle sind immer total entsetzt, wenn sie von deinem weggehen erfahren. Das ich nun ganz allein klar kommen muss, finden sie nur traurig. Ich weiß, dass klingt mächtig ungerecht, aber für die, die bleiben müssen ist es doch so viel schwerer, glaube ich zumindest. Ich weiß ja nicht, wie es dir geht. Du hast immer gesagt, dass man eigentlich alles schaffen kann. Man muss das Ergebnis vielleicht ein wenig an die Umstände anpassen, aber trotzdem hat man es alleine geschafft. Wie soll ich das hier schaffen? Ich weiß ja nicht mal, ob ich das will! Wenn ich alte Frauen sehe,. dann habe ich Angst alleine so alt werden zu müssen. Sehe ich ältere Paare, dann denke ich an unseren Traum, um den wir betrogen wurden. Und dann kommt diese böse Frage, die über mir wie ein Damoklesschwert schaukelt – Was habe ich getan, dass ich dich nicht bei mir behalten durfte?

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Da sitze ich nun – die Witwe. Wie muss man sich denn als sowas fühlen? Ich fühle mich immer noch verheiratet.

Heute habe ich mal wieder im Status geschrieben. Ich wollte mich nur mal melden.

Wenn ich mit all dem Bürokram, Versicherungen, Steuern und was weiß ich fertig bin, dann schreibe ich meine Hefte alle mal ab. Du hast mir ganz schön Arbeit hinterlassen. Immer, wenn du irgendwelche Versicherungen oder Bausparer oder so abgeschlossen hast, dann hast du mich immer gezwungen zuzuhören, worum es da geht. Ich durfte nicht einfach so unterschreiben. Dafür danke ich dir, so weiß ich wenigstens ungefähr wo ich lang muss.

Ja, ich bin keine Witwe – ich bin immer noch mit dir verheiratet. Punkt!

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Max ist weg und ich habe die erste Nacht alleine im Haus verbracht. Ich habe schlecht geschlafen und mir tut der Rücken weh.

Wird das jetzt ewig so sein? Was ist denn ewig eigentlich für ein Wort? Was bedeutet unendlich? Gebrauchen wir die Worte nur, wenn sie uns etwas positives unterstreichen sollen? Unendliche Liebe oder unendlicher Schmerz? Ewige Trauer?

Wenn wir uns mal gezankt haben, klar dann habe ich auch mal gedacht, wie das so wäre, wenn wir uns trennen würden. Zuerst fielen mir so Sachen ein, wie – mehr Platz im Kleiderschrank, – keine Papiere und Zettel überall ….. Aber dann kam da die Angst, dir nie mehr in die Augen sehen zu können, dich nie mehr berühren zu können oder zu küssen. Und dann dachte ich, scheiß auf „Mein Leben“ – „Du bist mein Leben!“.

Mein neues Leben gibt s nicht ohne dich und ohne unsere Kinder.

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Am Ende wurde es noch ein schöner Tag. Ich habe jetzt ein Lächeln auf meiner Seele und das hast du gemacht.

Heute morgen habe ich so darüber nachgedacht, was Glück ist und ob ich das jemals wieder spüren kann. Heute habe ich eine Ahnung davon bekommen, dass es so sein kann. Ich habe vorhin überlegt, wenn er kommt und sagt, komm ich nehm dich mit zu Ingo, aber du musst gleich mitkommen, kannst nicht mehr Tschüß sagen, nichts. Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden sollte. Ist das ein gutes Zeichen fürs Leben?

Vorhin im Park, als so ein warmer Wind meine Haut streifte, da war es, als ob du mich streichelst. Ich habe mit dir gesprochen, das war so unglaublich schön. Ich danke dir für jeden schönen Moment, den du mir schicken kannst.

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Arbeiten zu gehen ist nicht schlimm. Die Arbeit hat ja auch nichts mit uns beiden zu tun. Wir haben auch nicht so viel über unsere Jobs zu Hause gesprochen. Wir hatten so viele andere Dinge zu besprechen. Wenn das Telefon klingelt und eine Handynummer auf dem Display steht, die deiner ähnlich wird, dann werde ich schon traurig. Kein „Ja, ich bin s“ oder „Hallo Häschen“ mehr. Du hast oft bei mir angerufen. Deine Stimme nicht mehr zu hören ist eine grausame Vorstellung und doch ist sie ja eine Tatsache.

Heute hatte ich einen merkwürdigen Traum. Wir beide lagen dicht aneinandergekuschelt auf dem Sofa und unterhielten uns leise. Wir mussten leise sein, weil noch jemand im Raum schlief. Neben uns lagen wir beide. Jeder auf einem einzelnen Bett links und rechts von uns. Es war schön aber auch seltsam.

Ich habe mich erinnert, dass ich vor einiger Zeit geträumt habe, dass du gegangen bist. Ich weiß auch noch, dass ich beim aufwachen einen dicken Kloß im Hals hatte.

Als ich am 08.03. nach Hause gekommen bin, hatte ich gleich ein komisches Gefühl. Das Haus wirkte verlassen. Aber in dem Moment kann man dieses Gefühl ja noch nicht einordnen.

Kannst du deinen Weggang nicht irgendwo reklamieren? Kannst du dich zurück schicken lassen? Benimm dich doch einfach daneben, vielleicht wollen die sich dann nicht mehr.

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