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Morgen also kehre ich an meinen Schreibtisch zurück. Als ich das letzte Mal von da losgefahren bin, bist du gerade gestorben. Andere Menschen haben um dein Leben gekämpft und haben verloren. So wie wir. Wir alle haben dich verloren.

Die Sachen sind alle eingepackt. 2 Säcke Leben. Jule zieht viele deiner Sachen an, ich habe auch ein paar Hemden aufgehoben. Früher mochtest du es gar nicht so, wenn wir deine Klamotten „gemopst“ hatten. Du warst kein Fan von Kleidertausch.

Vor morgen habe ich nicht so Angst. Nur vor Donnerstag. Am Sonntag sind wir schon 1 Monat ohne dich.

Morgen wieder betretene Gesichter. Manche schauen weg, manche weinen. Getuschel und plötzlich geht alles wieder weiter wie vorher. Es wird schwer, das ahne ich schon. Ich werde eines deiner Hemden und deine Uhr tragen. Wie ein Mantel aus deiner Liebe. Eine Decke der Zuversicht. „Du packst das“ – ich höre dich. Ich weiß Hase, aber es ist so schwer. Schlaf gut und sei morgen bei mir.

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Ja, mein süßer. Ich habe den ersten Tag im Büro überstanden. Immer wieder gingen meine Gedanken zu diesem verdammten Donnerstag. Es war Frauentag. Du hattest mir ein Bild geschickt. Ein Blumenstrauß zum Frauentag auf dem Küchentisch. Du hattest vergessen, ihn aus dem Keller zu holen.

Ich bin müde. So ein neues Leben einzurichten schlaucht sehr. Heute habe ich gedacht, eigentlich ist TRAUER doch ein schönes Gefühl. Es ist die Gewissheit, dass man jemanden so sehr gern hatte, dass man sein fehlen so schmerzlich spürt. Trauer wird erst dann furchtbar, wenn Verzweiflung und Mutlosigkeit dazu kommen. Ich bin kaputt, muss ins Bett. Schlaf gut.

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Immer wieder werde ich an den Verlust erinnert. Jeder fragt, kann es nicht glauben. Ich muss erklären, begründen. Störke zeigen, die ich doch nur in Gedanken habe. Innerlich könnte ich schreien: Geht weg und nehmt die scheiß Trauer mit!

Es ist immer noch der Gedanke, dass du nur kurz weggefahren bist und bald wieder kommst. Ich habe Angst, dass mein einsames Leben Wirklichkeit wird. Dabei ist es das ja schon. Ich möchte ganz fest daran glauben, dass unser neues Leben ganz gut werden wird. Andereseits habe ich Angst vor dieser Tatsache. Verrat?

Ich habe Max ein Auto gekauft. Du stehst als Chauffeur ja nicht mehr zur Verfügung. Er hat sich diesen kleinen blauen Flitzer so verdient. Er kämpft, kümmert sich, macht und tut. Genau wie Jule. Sie bekommt auch ihre Belohnung, wenn es soweit ist. Aber der Stolz auf dieses Auto wollte isch nicht einstellen, die Freude blieb uns ím Hals stecken. Wenn du nicht hättest gehen müssen, dann würde dieses Auto hier jetzt nicht auf dem Hof stehen.

Das Leben ist ein Arschloch und morgen ist wieder ein fieser Donnerstag.

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