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Du würdest grade sehr gern hier sein und dich freuen. Laufend ist Besuch da. Das magst du doch. Das Haus ist voll. Ich komme gerade gar nicht dazu an dich zu denken, das kommt mir falsch vor und wie Verrat. Es fühlt sich gar nicht gut an, alles ohne dich zu tun. Es ist falsch, alles allein tun zu müssen.

Ständig flattern neue Karten ins Haus. Es ist ein wunderbares Gefühl zu spüren, dass die Menschen nicht nur dich mochten, sondern wohl auch mich. Aber du kennst ja meine Schwierigkeiten, mich zu mögen und an mich zu glauben.

Es sind viele schöne Worte unter den vielen Sätzen in den Karten und Briefen. Sie sollen Trost spenden, aber können es nicht. Sie sind so allgemein gültig und haben so gar nichts mit mir zu tun. Ich weiß ja, das stimmt so nicht, aber für mich fühlt es sich so an. Ich will die Worte gar nicht, ich will dich zurück. Ich wäre gerne stumm, wenn ich dich dafür nur ansehen darf. Ich wäre gern blind, wenn ich dich dafür anfassen kann. Ich wäre gern taub, wenn ich dafür mit dir sprechen könnte. Blind, taub und stumm, wenn ich dafür die Gewissheit hätte – du bist hier und beschützt mich.

Es gab einen Brief, der mich sehr verletzt hat. Es ging um Gott und das er uns auffängt. Wer uns kennt, weiß,. dass Gott keine Option für uns ist. Wozu will uns Gott auffangen? Hat jemand von uns gesagt, dass er das tun soll? Was will er von uns? Was soll er für uns tun, was unsere Familie und Freunde nicht tausendmal besser machen können. Sie fangen uns auf, hören zu oder sind still da.

Ich habe diesem Gott nichts zu sagen und will auch nichts von ihm hören. Er und sein Himmelreich können mir gestohlen bleiben. Was muss das für ein Egoist sein, dass er das beste für sich haben will? Warum korrigiert er solche Fehler nicht, wenn er doch so allmächtig ist

Was für eine gequirlte Scheiße ist das denn? Du bist in einem anderen Leben, dass weiß ich. Wir gehören immer noch zusammen, aber ganz sicher nicht im Nachthemd und mit Flügelchen.

Wir sehen uns und es wird sein, wie eine Heimkehr nach einer langen Reise. Dieses Wissen und Wünschen allein läßt uns das alles hier aushalten. Scher dich zum Teufel Gott und trinkt auf uns einen Schnaps.

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Morgen ist es also soweit. Abschied nehmen. Nicht von dir, sondern von unserem alten Leben.

Eigentlich wollte ich heute schreiben, dass ich hoffe, dass du stolz auf mich bist, weil ich das Büro geordnet habe. Aber jetzt erscheint mir alles so banal und unwichtig. Nun sitze ich hier und weiß nicht, was ich tun soll. Die Aufregung verdrängt die Trauer, die Verzweiflung traut sich erst gar nicht raus. Aber irgendwann wird sie wieder vor meiner Seelentür stehen und ungefragt herein kommen. Niemals werde ich sie wohl ganz los werden. Sie wird mein Untermieter sein, ein Zecke, die man nicht mehr los wird. Sie hat ein Gästezimmer auf Lebenszeit.

Ich weiß noch nicht, wie ich diese Nacht und diesen Morgen überstehe, aber bitte gib mir alle Kraft, die du entbehren kannst. Ich meine, für dich wird es ja auch aufregend. Die vielen Menschen kommen ja alle wegen dir.

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23.03.23018

Jetzt war er also, Dein Tag. Ich bin noch ganz unter dem Eindruck dieses wunderbaren Tages. Alles ist so geworden, wie wir es gern für dich geplant und mitgetragen haben. Ich wusste ja, dass dich viele vermissen, aber dieses Meer an Menschen, die jeder einzelne nur gute Gedanken mit dir verbinden, hat mich fast umgehauen. Nur der Stolz, dass Du, für den das alles statt fand, mein Mann ist, hat mich aufrecht gehen lassen. Und deine wundervollen Kinder, unsere wunderbaren zwei. So viele Menschen die uns ehrlich in den Arm genommen haben. Es tat so gut. All die hundert Umarmungen würde ich gerne gegen eine letzte von dir eintauschen.

Mit jedem Händedruck glitt eine Last von meiner Schulter und die Trauer verlor ihren Schrecken. Ich muss dir nicht erzählen, wie deine Feier war, du warst ja selbst dabei und ich weiß, du hast jeden Moment genossen.

Jeder hat andere Erinnerungen an Dich und ich möchte allen Freunden sagen, erzählt sie euch immer wieder, dann ist der Ingo immer wieder bei euch.

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Wenn meine Gedanken zu dir fliegen, dann ist da keine Traurigkeit, sondern nur Liebe und Glück. In unseren 27 gemeinsamen Jahren haben wir so einiges erlebt. Klar waren da auch Tage dabei, an denen nicht nur Sonnenschein auf dem Wetterbericht stand. Gerade am Anfang, als wir uns in die Rolle als Ehepaar finden mussten. Im nachhinein betrachtet, war wohl eher ich die, die zickig war., Frau eben! Du warst immer irgendwie mit allem zufrieden. Kein Pantoffelheld, nein. Wenn dir was nicht gepasst hat, dann hast du das schon gesagt, aber nur wenn so wichtig war, dass sich Streit gelohnt hat. Du hattest meistens auch ein ganz schlechtes Gewissen, wenn die Kantine mal wieder länger gezogen hat, als mein Warten zu Hause. Nicht wegen dem Spaß, den du hattest, da gab es nichts zu bereuen. Sondern weil du mir dadurch Sorgen bereitet hast und ich traurig war. Aber es gab eigentlich nie was zu bereuen. Am Ende jeder Zankerei wussten wir, wie sehr wir uns lieben.

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Es gibt ja so viele Phrasen und Sprüche, die gesagt werden, wenn man Trost spenden will, aber nicht weiß wie. Gern bedienen wir uns der Worte, die andere schon für uns gefunden haben. Das Internet ist voll davon. Vieles fühlt sich merkwürdig an, falsch ist es wohl nicht. Aber manches passt eben nicht zu jeder Trauer, jedem Schmerz. Aber eines, was ich selbst auch schon mehrmals geschrieben habe, ist, dass wenn die Zeit der großen Traurigkeit vorbei ist, die Zeit des schönen Erinnerns kommt. Das stimmt aber nur halb, denn das schöne erinnern ist schon neben der Trauer da. Vermutlich könnte man das sonst gar nicht überleben.

Gerade habe ich an unserem Teich gestanden und in unseren schönen Garten geschaut. Auf all das, was wir zusammen gestaltet und geschafft haben. Da war kein Gefühl der Angst, dass ich das alles nicht schaffe (außer deine blöde Hecke) , sondern nur ein Gefühl der Dankbarkeit und der Vorfreude, dir zu zeigen, dass ich das schaffen kann. Ich werde viel lernen müssen, aber ich habe keine Furcht. Ich bin ja schon groß. Ich will immer mein bestes geben. Wenn es nicht klappt, nu und dann eben nochmal oder anders. Ich vertraue Dir und jetzt auch mir. Was ich immer an Zweifeln in mir hatte!

Ich fühlte mich – zu dumm – zu dick und nicht schön. Nichts passte zu mir. Du hast mich komplett gemacht, aber so, dass ich nicht auseinander falle, wenn du nicht mehr da bist und mich zusammen hältst.

Ich fühle mich schön und klug. Ich glaube unsere Freunde mögen mich auch nur um meinetwillen und nicht nur wegen dir.

Danke mein Hase. Neben unseren Kindern und unserer gemeinsamen Zeit, ist es das schönste Geschenk, dass du mir gemacht hast.

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Ich mache vorsichtig Pläne. Es tut mir sogar gut. In Schockstarre zu verfallen, war ja noch nie unser Ding. Wie waren zwei Verrückte die durchs Leben segelten. Wir waren immer zwei, die durch alles, was das Leben zu bieten hatte, gemeinsam gegangen sind. Manchmal wanderten wir, manchmal liefen wir und manchmal rannten wir, so schnell und unsere Beine trugen. Jetzt bleibe ich manchmal stehen und dreh mich um. Ich warte, dass du kommst und wir gemeinsam los gehen. Aber du kommst nicht. Du bist schon mal vor gegangen. Das, was dir immer schwer fiel, wenn wir zusammen laufen waren. Ich habe dir immer gesagt, du musst nicht mit mir mitlaufen, wenn du schneller willst. Aber du hast immer gesagt, dass du mich nicht alleine laufen lassen willst, lieber mit mir läufst. Schneller könntest du ja laufen, wenn du allein trainieren würdest. Tja, da habe ich dich mal kurz aus den Augen verloren und du bist einfach weg gerannt.

Du hast die gemeinsame Zeit immer genossen. Egal wie kurz die Minuten waren. Ich war immer ein wenig angespannt. Dieses noch erledigen, jenes noch machen. So bin ich eben.

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Schon sind alle Pläne von gestern dahin. Wir waren eben auf dem Friedhof. Mal scha<uen, wie dein Baum mit all den Blumen aussieht. Es ist alles so unwirklich. Da war dieses Gefühl – und das soll es jetzt gewesen sein?

Wir hatten die letzten Tage zu tun und mir war dieser Abschied nicht so richtig bewusst, aber gerade zieht es an mir, wie ein böses Monster, dass meine Seele fressen will. Wir wollten uns was gutes tun und sind essen gegangen, in die Spreewehrmühle. Da wo wir meinen Geburtstag feiern wollten. Ich habe mir die Option offen gelassen, noch zu entscheiden, ob ich feiere oder nicht. Aber dann sprach die Empfangsdame diesen verdammten Satz aus : „Das Leben muss ja weiter gehen!“

Verdammt noch mal, es geht aber nicht weiter, nicht für uns. Ich kann nicht mal sagen, ob man das Leben nennen kann, was ich da gerade versuche. Ich existiere, ich bin da, das trifft es wohl am besten.

Als wir losgegangen sind und ich meine Jacke angezogen habe, ist mir bewußt geworden, dass du mir nie mehr in die Jacke helfen wirst. Diese kleinen Momente sind es, die mir das Leben ohne dich so verdammt schwer machen.

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Es ist Sonntag. Der einzige Wochentag, den ich mir merken kann. Früher hieß Sonntag ausgiebiges Frühstüpck mit allem was dazu gehört. Mitten in dem ganzen Gewusel aus Schachteln, Gläsern und Geschirr hatte ich immer eine Kerze unter gebracht. Ich sehne mich nach einem Sonntags-Frühstück. Gleichzietig habe ich Angst davor. Der gedeckte Tisch und dein Platz bleibt leer. Das würde mir wohl das Herz zerreißen.

Oder unser Dienstagsfrühstück. Als Ausgleich, wenn es am Wochenende nichts wurde mit Frühstück. Die bist wegen 2 Brötchen zum Bäcker gefahren und ich bekam immer ein Mohnhörnchen. Wer bringt mir das jetzt? Gibst bei dir da Mohnhörnchen und Splitterbrötchen? Hier werden sie nie mehr so schmecken, wie früher.

Ich habe gedacht, ich bin schon durch das tiefste Tal gegangen, aber jetzt fängt die schwerste Zeit wohl erst an. Jeder Tag schickt mir andere Erinnerungen, die so wunderschön sind, wenn sie nur nicht so endlich wären. Nichts läßt sich wiederholen. Es wird neue Erinnerungen geben, sicher auch schöne, aber du wirst darin immer fehlen.

Ich komme aus dieser Hölle, diesem Gefängnis aus unsagbaren Schmerzen nicht heraus.

Jeden einzelnben Gitterstab muss ich zersägen. Viele sind am nächsten Morgen einfach wieder nachgewachsen und ich fange von vorne an. Nirgends gibt es eine Lücke, durch die ich schlüpfen kann. Selbst wenn, irgendwo sind da Türen mit Wächtern. Unbestechlich in ihrer Diszipkin, mir das Leben schwer zu machen und mich nicht vergessen zu lassen, was geschehen ist. Mit Dir, mit mir, mit uns allen.

Manchmal habe ich Hofgang. Dann spaziere ich auf einem schmalen Pfad entlang. Links Abgrund, rechts auch. Ganz hinten im Nebel sehe ich andere Wege. Wohin sie führen weiß ich nicht. Kann ich auch nicht ergründen, denn mein Hofgang endet schon wieder und ich muss zurück ins Gefängnis.

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Was isnd gute, was sind schlechte Tage. Ist es ein guter, wenn ich nicht weinen musste.? Oder ist es ein schlechter, wenn ich nicht weiß wohin mit der Trauer, weil ich dich so vermisse?. Alles läßt sich von 2 Seiten betrachten, nur eins nicht: Du kommst wohl nicht mehr zurück. Du bist ja irgwndwie da, aber eben auch nicht.

Kleinigkeiten treffen mich mher, als gorße Sachen. Heute haben wir deinen Spielerpass angesehen und da kam mir der Gedanke, dass lieber du deinen Enkeln den ziegen solltest und nicht ich. Dann sehe ich mich alt und grau und weine darüber, dass sie ihren großartigen Opi nicht kennen lernen durften. Werden sie schon traurig geboren?

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Ich war beim Frisör. Grau ist ja deine Farbe nicht meine. Wieder traurige Gesichter. Alle wünschen mir ganz viel Kraft. Ja, die schickst du mir, lass ja nicht nach.

Ich möchte mich für dich schön machen. Ich habe Angst, den Schmuck ztu verlieren, den du mir geschenkt hast. Hab ich ja schon so oft. Du hast nie geschimpft, wenn ich wieder einen meiner Libelingsohrringe verbummelt hatte. Du hast mich aufgezogen, hast mir gesagt, dass du mir eben nichts mehr schenkst, wenn ich alles verliere. Und wenn ich erschrocken „aber ich kann doch nicht dafür“ gerufen habe, hast du mich in den Arm genommen, gelacht und gesagt „Ach mein Häschen!“.

Ich vermisse deine Umarmung. Deine schönen, rissigen Hände, deine starken Arme. Da konnte ich mich fallen lassen. Du hast mich beschützt vor der bösen Welt.

Oder wenn du besorgt geschaut hast, wenn ich mal krank war. Diesen Gesichtsausdruck habe ich immer weggelacht. Ich wollte dich nicht traurig sehen. Wenn es etwas gibt, was ich an der jetztigen Situation gut finde, dann, dass du das hier alles nicht aushalten musst. Du bist gegangen und ich trage den Schmerz für dich. Ich weiß auch, du hättest einen Weg gefunden, dein Leben neu zu ordnen. Aber wie hätte ich woanders sein können und dir beim weinen zuschauen müssen ohne dich trösten zu können.

Wie gehe ich mit der Schuld um, wenn ich mich über Dinge freue, die wir nun zu dritt erleben und die schön sind?

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Ich habe das Gefühl, ich schreibe immer dasselbe. Aber was soll ich auch anderes schreiben? Jeden Tag derselbe Schmerz, die selbe Trauer, die selbe Verzweiflung. Es ist wie in dem Film mit dem Murmeltier. Man geht schlafen in der Hoffnung, dass morgen etwas anders ist. Man wacht auf, lauscht vorsichtig in den Tag und wird am Ende wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Es ist wieder das selbe.

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