5. Etappe – Spiekerogg

„Bei manchen sieht joggen aus wie Sterben mit Anlauf.“

So wie bei mir heute! Aber fangen wir von vorne an. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk holte uns der Bus 9:50 Uhr ab und fuhr uns nach Neuharlingersiel zum Fährhafen. Nach 45 Minuten Fahrzeit mit bangen Blicken Richtung Himmel landeten wir auf Spiekerogg bei herrlichem Sonnenschein. Die Insel zeigte sich von ihrer besten Seite.

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Im disziplinierten Gänsemarsch wackelte die Läuferschar zum Kurzentrum. Dieses Mal hatten wir nur zwei Stunden Zeit bis zum Start. Die genügte jedoch, um meine Sonnenbrille zu verlegen. Der gute „Fritz von Fingerhoff“ startete sogar eine Durchsage über’s Mikro, doch die Brille blieb verschwunden. Nicht mein letztes Problem an diesem Tag. Bereits vorgestern hatte ich mir den linken großen Zeh beim Laufen gequetscht. Läufer kennen das Problem. Jahrelang ist nichts mit dem Schuh und plötzlich wird der Zeh blau. Ich hatte gedacht, dass das Problem bis heute schon behoben wäre, aber falsch gedacht. Auch meinen immer noch leise vor sich hin schnurrenden Muskelkater hatte ich unterschätzt. Zum Start gab es aber wenigstens noch die Info, dass meine Brille gefunden wurde. Dann kam das obligatorische Nordseeküstenlied und ab ging es auf die 12 km.

Ingo kämpfte sich wie immer in den vorderen Reihen durch die Dünen. Ich hatte hinten mit mir, dem Zeh, dem Muskelkater, dem Wind und überhaupt zu tun. Gelaufen wurden zwei Runden von je 6 km Länge quer durch die schöne Dünenlandschaft. Wer die Ostseedünen kennt, wird sich hier verwundert die Augen reiben. Die Dünen hier sind ganz anders. Eine grasbewachsene Hügellandschaft zog sich hinter dem Deich ins Innere der Insel. Dementsprechend bergauf und bergab ging es. Bergauf war mir fast lieber, denn bergab stieß mein Zeh immer wieder vorne an. Irgendwann lief ich nur noch mit eingezogenem Zeh, was zu einer völlig verdrehten Fuß- und Unterschenkelhaltung führte. Die erste Runde hielt ich tapfer durch, aber Runde 2 war nur mehr ein Gehen als ein Laufen. Eigentlich standen mir schon die Tränen in den Augen, aber wenn man heult, kann man nicht atmen. Also rief ich bei jedem zweiten Schritt das böse S – Wort und stapfte mutig ins Ziel. Über die Zeit schweigen wir mal lieber. Ingo war in der Zwischenzeit bereits in der Nordsee baden.

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Zur Siegerehrung kam ein heftiger Wind auf, so dass alles recht flott über die Bühne ging. Auf dem Weg zur Fähre klatschten schon die ersten dicken Regentropfen auf unser müdes Haupt. Gerade hatten wir uns untergestellt, da regnete es auf einmal heftig inklusive Blitzen und Donner. Auf dem Wasser wurde das Wetter aber wieder besser. Die Busse standen schon bereit und zurück ging’s ins Hotel.

Heute heißt es noch Koffer packen, denn morgen ist Hotelwechsel. Wir ziehen nach Bremerhaven um und laufen nachmittags in Otterndorf.

Fazit des Tages: Dem Wetterbericht sollte man nur soweit trauen, wie man schauen kann und blaue Zehnägel kann man auch ohne Lack haben.

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